Die Suche nach der Mitte

Der September neigt sich langsam dem Ende zu. Hinter uns liegt ein Sommer, der für mich viel zu heiss war. Trockene Böden, Hitze, Pflanzen, die nach Wasser dürsten. Einer meiner Lieblingsbäume auf dem «Kistenpass» zwischen Winterthur und Wiesendangen hat zwei riesige Hauptäste verloren. Der Baum steht nur noch zu einem Drittel da. Eindrücklich und erschreckend, wie deutlich uns die Erde ihr Ungleichgewicht zeigt.

Auch in meiner Qi Gong Gruppe sind zurzeit die Erdmeridiane Thema. Und damit begegnen mir all jene Bilder, die zur Wandlungsphase Erde gehören. Die Zeit der Ernte. Fülle. Reife. Nahrung. Das Sammeln dessen, was über den Sommer gewachsen ist. In der Natur ist es die Zeit, in der Früchte schwer an den Ästen hängen, Felder ihre Ernte hervorbringen und sichtbar wird, was genährt wurde.

Die Erde steht dabei nicht nur für Fülle. Sie erinnert uns auch daran, dass nichts endlos geben kann. Ein Boden braucht Nahrung, Wasser, Ruhe und Pflege, damit überhaupt etwas wachsen kann. Auch die Äpfel in meinem Garten sind dieses Jahr deutlich kleiner als in anderen Jahren.

So bewegt sich seit einigen Wochen eine Frage in mir:

Was ist eigentlich mit meiner Mitte?

Und ja, dass ich darüber ausgiebig nachdenke, passt ebenfalls gut zur Erde.

Die Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser beschreiben in der chinesischen Medizin unterschiedliche Qualitäten und Bewegungen des Lebens. Nichts davon steht für sich allein. Eine Phase nährt die nächste, alles befindet sich in einem fortwährenden Wandel.

Die Erde nimmt darin eine besondere Stellung ein. In manchen Darstellungen steht sie tatsächlich in der Mitte. Ihr werden die Meridiane von Magen und Milz zugeordnet. Sie steht für das Aufnehmen und Umwandeln, für Nahrung und Fürsorge, für Fülle und Ernte und für die Fähigkeit, aus dem, was zu uns kommt, etwas entstehen zu lassen, das uns trägt.

Mutter Erde eben.

Nur wird eine Erde, von der ständig genommen wird, irgendwann karg.

Genährt oder versorgt

Mit diesem Gedanken bin ich in den letzten Wochen immer wieder bei der Milz gelandet.

In der chinesischen Medizin geht es beim Nähren nicht nur darum, ob genügend Essen auf dem Tisch steht. Die Wandlungsphase Erde trägt auch das Bild des Aufnehmens, Verarbeitens und Umwandelns in sich. Das lässt mich über das Wort Nähren nachdenken.

Ein Kind kann versorgt sein und sich trotzdem nicht wirklich genährt fühlen.

Diese Erfahrung kenne ich auch aus meiner eigenen Geschichte. Nicht als Vorwurf. Je älter ich werde, desto deutlicher sehe ich, dass Menschen nur das weitergeben können, was ihnen selbst zur Verfügung steht.

Eine Mutter kann für ihr Kind sorgen. Dafür sorgen, dass es zu essen hat, saubere Kleidung trägt und pünktlich zur Schule kommt. Trotzdem kann ihr die innere Möglichkeit fehlen, sich dem Erleben dieses Kindes wirklich zuzuwenden.

Nicht weil sie es nicht liebt. Vielleicht weil ihr selbst nie jemand gezeigt hat, wie das geht.

Kinder brauchen mehr als Versorgung. Sie brauchen Resonanz. Sie brauchen jemanden, der sie spiegelt. Einen Menschen, der ihre Freude mit ihnen teilt und ihre Not mit ihnen aushält. Einen Menschen, der nicht jede Wut beseitigen und nicht jede Träne verhindern muss, sondern vermittelt:

Ich bin da. Ich halte das mit dir aus. Du musst damit nicht allein sein.

Kinder kommen nicht mit einem fertig entwickelten Nervensystem auf die Welt. Regulation entsteht zunächst in Beziehung. Ein kleines Kind braucht einen anderen Menschen, der ihm hilft, mit grossen Gefühlen wieder Boden unter den Füssen zu bekommen.

Grosses Umfangen

Kürzlich erzählte mir eine Arbeitskollegin von ihrem Sohn. Er klopft sich immer wieder selbstverständlich an zwei Stellen seines Körpers. Die eine liegt bei Milz 21, die andere bei Herz 1.

Milz 21 am Milz Meridian trägt den Namen Grosses Umfangen, Da Bao. Ihm wird der Charakter einer umfassenden, haltenden und alles nährenden Haushälterin zugeschrieben. Diese Umarmung stellt eine Balance zwischen Zentrum und Peripherie her.

Der Punkt wird als Ausdruck der umfassenden und nährenden Qualität der Milz beschrieben. Es geht um die Balance zwischen dem Aussen und dem eigenen Zentrum. Darum, verschiedene Seiten wahrnehmen zu können und trotzdem immer wieder zu sich selbst zurückzukehren. Es geht um Geben und Empfangen und darum, auch die eigene Mitte nicht aus den Augen zu verlieren.

Besonders berührt hat mich dabei das Bild, dass die Erde nicht nur Nahrung verteilt. Auch Zuwendung und Aufmerksamkeit gehören zu dieser Qualität.

Die Erde umarmt. Sie hält. Sie trägt. Sie nährt. Und wir haben immer Kontakt zu ihr.

Was braucht ein Kind, um sich wirklich genährt zu fühlen? Natürlich Nahrung, Wärme und Schutz. Aber eben auch einen Menschen, der wahrnimmt, der spiegelt, der bleibt, der hält.

Das Grosse Umfangen wird in meinem Buch mit einem ursprünglichen Gehaltensein verbunden. Mit dem eingebettet sein im Mutterleib. Ich stelle mir diesen Raum als etwas unglaublich Geborgenes vor. Warm, weich, getragen, versorgt. Nahrung kommt, ohne dass darum gebeten werden muss. Der Körper schwebt und wird gleichzeitig gehalten. Da sind Rhythmus, Herzschlag und Bewegung. Noch muss nichts geleistet, geregelt oder verstanden werden.

Für mich liegt darin ein sehr ursprüngliches Bild von Erde:

Ich bin gehalten. Ich werde genährt. Ich darf einfach sein.

Vielleicht ist das eine unserer frühesten Erfahrungen von Erde.

Da ist etwas, das mich trägt.

Und dann führt der Weg weiter. Von Milz 21 zu Herz 1.

Von der Erde zum Herzen

Herz 1 am Herz Meridian trägt den Namen Höchste Quelle, Ji Quan.

Das Herz wird in der TCM oft als Kaiserin beschrieben. Es beherbergt den Shen und wird mit unserem Bewusstsein, unserem geistig seelischen Erleben und der Freude verbunden.

Von Milz 21 wird ein direkter Fluss des Ki zu Herz 1 beschrieben. Das Herz kann aus dieser Quelle schöpfen, sich nähren und sich wieder ausrichten. Ich mag dieses Bild sehr.

Die Erde umarmt und aus dieser Umarmung kann sich die Kaiserin nähren.

Wenn dieser Fluss ins Stocken kommt, beginnt die Erde gewissermassen zu kreisen. Gedanken drehen ihre Runden, ohne wirklich irgendwo anzukommen.

Vielleicht versuchen wir im Denken eine Ordnung herzustellen, die ursprünglich in Beziehung entstehen sollte.

Noch einmal darüber nachdenken. Noch einmal analysieren. Noch einmal verstehen, während der Körper nach etwas ganz anderem sucht.

Der Raum zwischen Mutter und Kind

Kinder bringen ihre grössten Gefühle dorthin, wo sie sich am sichersten fühlen. Zur wichtigsten Bindungsperson.

Dort landet die Wut über den falschen Becher. Die Verzweiflung darüber, dass die Darvida auseinandergebrochen sind. Später kommen andere Themen dazu. Freundschaften, Angst, Ablehnung, Überforderung, Liebeskummer, Selbstzweifel und die Frage, wer man eigentlich ist.

Von aussen sieht manches davon erstaunlich unspektakulär aus. Im Inneren eines Kindes kann gleichzeitig die Welt untergehen.

In diesem Moment braucht es jemanden, der spiegelt, hält und mitreguliert.

Mit Mutter meine ich hier nicht nur die biologische Mutter und auch nicht, dass diese Aufgabe naturgegeben bei Frauen liegen müsste. Ich meine diese mütterliche Qualität des Haltens, Nährens und Dableibens. Oft ist es die Mutter, manchmal ein Vater oder eine andere enge Bezugsperson.

Dieser Raum zwischen einem Kind und seiner wichtigsten Bindungsperson ist für mich etwas Heiliges. Ein Raum, in dem ein Kind sich selbst erst kennenlernt.

Über die Augen eines anderen. Über eine Stimme. Über Berührung. Über das Erleben, mit all dem, was gerade da ist, nicht verlassen zu werden.

Ein Kind lernt nach und nach:

Ich kann Angst haben und bin trotzdem sicher.

Ich darf wütend sein und die Beziehung bleibt bestehen.

Ich kann überfordert sein und jemand hilft mir, wieder zurückzufinden.

Aus Co-Regulation entwickelt sich mit der Zeit die Fähigkeit zur Selbstregulation. Aber was geschieht, wenn der Mensch, der diesen Raum halten soll, selbst kaum inneren Boden hat?

Wenn die Erde selbst erschöpft ist

Vielleicht steht da eine Mutter mit sehr wenig Schlaf. Mit Arbeit, Haushalt, Terminen, Verantwortung und einem Kopf voller Dinge, an die noch gedacht werden muss.

Vielleicht gibt es einen Partner, der selbst wenig innere Sicherheit kennt und ebenfalls Halt sucht.

Und irgendwo darunter liegt die eigene Geschichte. Eine Kindheit vielleicht, in der die eigenen grossen Gefühle niemand gehalten hat.

Dann geschieht etwas, worüber wir meiner Meinung nach viel zu wenig sprechen. Das weinende, tobende oder verzweifelte Kind steht vor diesem Erwachsenen und berührt etwas sehr Altes: Ich war dieses Kind.

Und nun soll ausgerechnet jener Teil ruhig und erwachsen bleiben, der selbst einmal niemanden hatte.

Das bedeutet nicht, dass Eltern ihrem Verhalten ausgeliefert sind. Es bedeutet auch nicht, dass Verletzungen zwangsläufig an die nächste Generation weitergegeben werden. Aber es erklärt, weshalb Elternschaft so viel tiefer geht als jede Erziehungsfrage.

Dann beschäftigen wir uns ausführlich damit, welche Konsequenz ein Kind nun braucht, während eigentlich zwei Nervensysteme im Raum stehen, die beide nach Sicherheit suchen.

Das eine ist noch klein und entwickelt sich. Das andere ist erwachsen und trägt möglicherweise Erfahrungen in sich, die nie wirklich gehalten wurden.

Mutterschaft ist deshalb für mich weit mehr als Erziehungsarbeit. Sie ist Beziehungsarbeit. Und sehr oft Nervensystemarbeit.

Wer hält eigentlich die Mutter?

Unsere Vorstellung von Mutterschaft ist dabei manchmal erstaunlich widersprüchlich.

Eine Mutter soll feinfühlig sein, präsent, liebevoll und geduldig. Sie soll die Bedürfnisse ihrer Kinder wahrnehmen, Grenzen setzen, Bindung ermöglichen und möglichst gelassen mit den grossen Emotionen ihrer Kinder umgehen.

Daneben gibt es selbstverständlich noch ein Leben.

Arbeit, Partnerschaft, Haushalt, Rechnungen, Organisation, eigene Bedürfnisse und irgendwo vermutlich auch noch dieses ominöse Ding namens Selbstfürsorge. Am besten zwischen Waschmaschine und Elternabend. Und dann wundern wir uns, wenn die Erde müde wird.

Wir haben das Nährende so selbstverständlich genommen, dass wir vergessen haben, dass auch das Nährende selbst Nahrung braucht.

Kein Acker kann ununterbrochen Ernte hervorbringen. Wir wissen das eigentlich. Seit Jahren können wir Erschöpfung in der Arbeitswelt und bei Eltern beobachten. Und mittlerweile zeigt es uns auch unsere Erde sehr deutlich.

Gerade bei Müttern sind wir als Gesellschaft oft wenig nachsichtig.

Dabei braucht auch die Person, die hält, einen Ort, an dem sie gehalten wird. Auch die Person, die reguliert, braucht Regulation und Resonanz.

Vielleicht liegt genau darin ein Teil des Ungleichgewichts, das ich wahrnehme. Wir schätzen das Sichtbare, Produktive und Leistende oft höher als das Nährende, Empfangende und Haltende. Dabei braucht es beides.

Yin und Yang. Geben und Empfangen. Aktivität und Ruhe. Verbindung und Eigenraum.

Erde und Mitte

Der Erde wird in der chinesischen Medizin auch das Denken zugeordnet. Im Gleichgewicht kann daraus ein ruhiges Nachdenken, Ordnen und Verarbeiten entstehen. Gerät diese Qualität aus dem Gleichgewicht, kann Denken zum Kreisen werden. Viele kennen dieses Gefühl.

Wo bin eigentlich ich?

Auch das beschäftigt mich, wenn ich nach meiner Mitte frage.

Denn Mitte bedeutet für mich nicht, immer ruhig und ausgeglichen zu sein. Vielleicht ist die Mitte vielmehr der Ort, zu dem ich zurückkehren kann.

Ein innerer Boden. Ein Gespür dafür, was meines ist und was nicht. Ein Ort, von dem aus ich mich einem anderen Menschen zuwenden kann, ohne mich dabei selbst zu verlassen.

Das gilt für Elternschaft genauso wie für andere Beziehungen. Verbindung entsteht nicht dadurch, dass zwei Menschen miteinander verschmelzen. Sie braucht Nähe und gleichzeitig einen eigenen Boden.

Vielleicht ist genau das die Qualität der Erde. Zu tragen, ohne festzuhalten. Zu nähren, ohne sich selbst vollkommen zu verausgaben. Zu geben und wieder empfangen zu können. Da zu sein, ohne sich dabei zu verlieren.

Und was ist mit dem Metall?

Seit ich mich so intensiv mit meiner Erde und meiner Mitte beschäftige, schaue ich auch anders auf mein Metall.

In den Wandlungsphasen nährt die Erde das Metall. Sie ist seine Mutter. Metall steht unter anderem für Struktur, Ordnung, Klarheit, Grenzen und die Fähigkeit, zu unterscheiden, was bleiben darf und was gehen kann.

Dabei musste ich etwas über mich selbst schmunzeln.

Ich gehöre zu den Menschen, die wunderbar aufräumen und putzen können. Wenn ich loslege, kann ich eine erstaunliche Ordnung herstellen.

Nur Ordnung halten kann ich nicht besonders gut.

Lange habe ich mich darüber geärgert. Wie kann ein Mensch so gut Ordnung schaffen und kurze Zeit später wieder mitten im Chaos stehen?

Nun kommt mir ein anderer Gedanke.

Was, wenn mein Metall gar nicht das Problem ist? Was, wenn ihm manchmal schlicht die verfügbare Mutter fehlt?

Wenn ich nicht in meiner Mitte bin, wenn meine Erde selbst erschöpft ist oder keinen Boden findet, muss mein Metall vielleicht mit viel Kraft herstellen, was sonst getragen werden könnte. Es kann sortieren, strukturieren und Ordnung schaffen. Aber das Halten dieser Ordnung braucht vielleicht auch eine Erde, die nährt und trägt.

Natürlich ist nicht jede herumliegende Socke Ausdruck einer aus dem Gleichgewicht geratenen Wandlungsphase. Zum Glück. Aber als Bild hilft mir dieser Gedanke, freundlicher auf mich zu schauen.

Vielleicht ist Ordnung nicht nur eine Frage von Disziplin. Vielleicht braucht auch das Metall eine Mutter, die verfügbar ist. Und schon bin ich wieder bei der Mitte.

Zurück zum Körper

Je länger ich mich damit beschäftige, desto deutlicher wird mir, weshalb Körperarbeit für mich an dieser Stelle eine so wichtige Bedeutung bekommen hat.

Nicht alles, was wir über Beziehung gelernt haben, wurde uns mit Worten beigebracht.

Unser Körper hat Nähe erfahren oder vermisst. Er hat gespürt, ob jemand blieb. Ob Berührung sicher war. Ob unsere Gefühle willkommen waren. Ob wir uns anlehnen konnten.

Und er hat Wege gefunden, mit dem umzugehen, was damals möglich war.

Selbstregulation entsteht nicht dadurch, dass wir uns einfach fest vornehmen, von nun an gelassener zu sein. Wir lernen Regulation über Erfahrung. Und glücklicherweise endet diese Möglichkeit nicht mit unserer Kindheit.

Auch als Erwachsene können wir neue Erfahrungen von Sicherheit, Resonanz und Verbindung machen. Deshalb berührt mich Shiatsu so.

In einer Behandlung muss für einen Moment nichts gehalten werden. Es muss nichts geleistet und nichts erklärt werden.

Der Körper darf auf der Matte liegen und spüren, dass da ein Boden ist.

Über achtsame Berührung, Präsenz und das Wahrnehmen dessen, was gerade da ist, kann ein Raum entstehen, in dem ein Mensch wieder etwas mehr bei sich ankommen darf.

Niemand kann einem anderen seine Mitte geben, aber wir können Bedingungen anbieten, unter denen der eigene Körper sie wieder leichter finden kann.

Sri Ma

An diesem Blog brüte ich nun schon seit einiger Zeit. Über die Erde, die Mutter, das genährt werden, über meine Mitte und all die Verbindungen, die sich daraus ergeben.

Gestern, während dieser wunderschöne Spätsommer langsam in den Herbst übergeht, hat diese Auseinandersetzung für mich einen wunderbaren Abschluss gefunden.

Ich war beim Powerchant von Nanina Ghelfi und Juri Viktor Stork. Zwei Stunden lang sassen und standen wir gemeinsam im Kreis irgendwo im Toggenburg in einem liebevoll hergerichteten Raum und sangen Mantras. Es war für mich eine Reise in meine innere Welt. 

Und auch dort begegnete mir die Mutter wieder. Besonders im Chant

Sri Ma, Jai Ma, Jai Jai Ma, Om

Sinngemäss

Heilige Mutter. Ehre der Mutter. Ehre, Ehre der Mutter. Om.

Während des Singens musste ich nichts über Erde, Milz, Herz oder Mutter verstehen. Ich durfte singen. Den Bewegungen in meinem Körper folgen. Atmen. Mich von den Stimmen im Kreis tragen lassen und gleichzeitig meine eigene Stimme darin hören.

Und da war sie wieder, die Mutter, mit der ich mich seit Wochen beschäftige. Nicht nur als die eigene Mutter. Nicht nur als Mutterrolle. Sondern als etwas viel Grösseres.

Mutter Erde.

Die Erde, die uns trägt, obwohl wir sie nicht darum bitten müssen.

Die Erde, die nährt.

Die Erde, die umarmt.

Die Erde, zu der wir immer wieder zurückkehren können.

Vielleicht ist die Suche nach der Mitte deshalb gar keine Suche nach einem Zustand, den wir irgendwann erreichen und dann behalten.

Vielleicht geht es darum, einen Weg zurück zu uns zu finden. Zur Erde. Zum eigenen Körper. Zum Geben und Empfangen. Zum Grossen Umfangen.

Zum Herzen.

Und vielleicht auch zu jener Erfahrung, die wir als Kinder so dringend brauchen und als Erwachsene neu kennenlernen dürfen.

Ich wünsche mir, dass wir wieder so genährt sind, dass wir uns einander zuwenden können und auch Mutter Erde wieder nähren. Denn sie ist die Mutter, die uns trägt.

Der Spätsommer geht in den Herbst über. Die Erntezeit neigt sich ihrem Ende zu. Die Natur beginnt, ihre Kräfte langsam nach innen zu ziehen. Und meine Frage ist noch da.

Was ist mit meiner Mitte? Vielleicht muss ich sie nicht endgültig beantworten.

Im Moment reicht es mir, ihr immer wieder zu begegnen.

Herzlich,

Neri

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert